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„Liebeserklärung“

Kritiken

 

„Lentz erzählt mit einer schroffen, zarten und zudringlichen Unbedingtheit, die in der deutschen Gegenwartsliteratur ihresgleichen sucht. (...)

‚Liebeserklärung’ ist der kompromißlose Bericht einer Beziehung und ihres Scheiterns, die Bestandsaufnahme eines Lands im Wartezustand, eine Feier des Sex und ein Feuerwerk der poetischen Sprache, verpackt in einem Monolog, einem alles mit sich reißenden Bewußtseinsstrom - fast möchte man sagen: einem Anfall. Mal Geständnis, mal Beichte, mal Gefühlsausbruch, hat Lentz Bruchstücke aus der Liebeskultur gefiltert und in eine neue, zeitgemäße Form gebracht. (...)

Seine Wucht verdankt dieses ‚Planspiel einer völlig entglittenen Entzweitheit’ weniger der eigentlichen Liebesgeschichte als vielmehr Lentz' Sprache. Der Neununddreißigjährige schreibt Sätze, so unmittelbar einleuchtend, daß man manche zweimal lesen muß, um sie in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit zu begreifen. (...)

Dieser Monolog ist subjektiv, ungerecht, total egozentrisch – und gerade darum überzeugend. (...)

Im Sinne Kierkegaards konfrontiert erst der Mut zur Wiederholung uns mit uns selbst. Denn nur in der Erinnerung und im Hinblick auf die Zukunft ist unser Selbstbildnis intakt, sind wir die, die wir sein wollen. Die Gegenwart verwehrt uns dieses gnädige Spiegelbild fortwährend. Nur manchmal, in seltenen, kostbaren Augenblicken, sind wir ganz bei uns: in jenen Momenten, da man etwas liest und versteht, eine Einheit spürt zwischen der geschriebenen Sprache, der Welt und dem Selbst. Allein Kunst – und, ganz selten, ein Gespräch – kann diese Erkenntnis bewirken. Wegen solcher Momente lieben wir, ihretwegen lesen wir – auch und gerade weil es keine Garantie für sie gibt, weil sie sich nicht erzwingen lassen. Worte schauen uns an, und durch sie sehen wir einen Moment lang besser, deutlicher, strahlender. Weil etwas so sinnfällig, schön und wahrhaftig zum Ausdruck gebracht wird, daß alle Distanz für kurze Zeit aufgehoben scheint.

Bücher, die solche Augenblicke ermöglichen, sind selten. „Liebeserklärung“ ist so ein Buch, das Protokoll einer ganz persönlichen und doch jedem verständlichen Suche nach einer Sprache der Liebe. Die entscheidenden Sätze des Romans sind seine letzten: „Jetzt haben wir uns nicht mehr. Aber wir haben diese Geschichte.“ Indem Michael Lentz eine Liebe bannt, die im Moment ihrer Entstehung schon im Vergehen begriffen ist, indem er ihre Endlichkeit eingesteht, bewahrt er sie für alle Zeit.“

(Felicitas von Lovenberg, aus: „Das ist keine einfache Begegnung, das ist, Entschuldigung, der Urknall. Wir haben eine Sprache der Liebe, auch wenn sie nicht immer lieb ist: In seinem ersten Roman entwirft Michael Lentz ein Kursbuch der Gefühle und stellt die Weichen neu“, in: FAZ, 20.09.2003)

 

 

„’Liebeserklärung’ ist eine Sprachversuchung, eine Deutschlandinspektion, ein Akt von philosophischem Vandalismus. Und eine Hoffnung für die im Schönerzählen erstickende deutsche Literatur. (...) Geradezu manisch und verzweifelt jagt Lentz in diesem literarisch zukunftsweisendsten, mutigsten Roman des Herbstes einer Sprache für die Liebe hinterher. Sucht sie wie eine Laus. Schafft es, mit einer unglaublichen Materialschlacht an Gedanken und Wortgebilden eine Momentform herzustellen. Den Punkt, an dem Erinnerung und Wiederholung eins werden. Und Erkenntnis, wahre Geschichte, Sprache werden.“

(Elmar Krekeler, aus: „Dunkeldeutschland. Vorsicht, dieses Buch gefährdet die geistige Gesundheit: Michael Lentz erklärt uns die Liebe“, in: Die literarische Welt, 04.10.2003)

 
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